Henry Wadsworth Longfellow, ein bekannter amerikanischer Autor (1807-1882), veröffentlichte im Jahr 1847 das epische Gedicht „Evangeline“, das die Geschichte des Liebespaares Evangeline und Gabriel erzählt. Es handelt sich dabei um zwei junge Menschen aus dem kleinen Ort Grand Pré in Akadien, heute Nova Scotia (Kanada), die sich auf dramatische Weise in der Vertreibung durch die Engländer verloren und erst viele Jahrzehnte später wiederfanden. Diese Vertreibung der Akadier, welche die ursprünglich aus Frankreich stammenden ersten Siedler Nordamerikas waren, geschah in den Jahren 1755-1763 durch die Engländer im Streit um die Vorherrschaft auf dem Nordamerikanischen Kontinent.
In dieser Arbeit untersuche ich unter literatursoziologischer Perspektive zum einen die Produktion des Gedichtes: Wie spiegelt sich die Gesellschaft des Autors in diesem Gedicht wider? Welche Diskurse seiner Zeit finden sich darin? Warum wählte Longfellow gerade diese Vertreibungsgeschichte und die Form des epischen Gedichtes?
Zum anderen beschäftige ich mich mit der Rezeption des Textes. Dabei ist die leitende Frage, wie ein Gedicht für die Akadier so wichtig werden konnte, das in englischer Sprache von einem Autor der Neuengland-Staaten über einhundert Jahre nach ihrer Vertreibung verfasst wurde. Wie konnte sich „Evangeline“ für sie zu einer Identitätsfigur, sogar zu einem Mythos entwickeln, der bis heute in Nova Scotia, New Brunswick und Maine lebendig ist?
Schlüsselwörter: Long