Ziel des Beitrags ist es, darzustellen, wie die deutsche Partei AfD in politischen und medialen Debatten den Begriff der Zensur verwendet, um sich selbst als Opfer vermeintlicher Meinungsunterdrückung zu inszenieren – gleichzeitig jedoch selbst bereit ist, zensorisch zu handeln. Am Beispiel von Social-Media-Einschränkungen und Vorwürfen gegenüber dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk beschreibt die Partei sich als durch ein „links-grünes Establishment“ systematisch ausgegrenzt. Dem gegenüber stehen Fälle, in denen die AfD gezielt den Zugang von JournalistInnen einschränkt, gegnerische Wahlkampfveranstaltungen unterbindet oder gendergerechte Sprache in öffentlichen Einrichtungen verbieten will. Die Analyse dieses Beitrags macht deutlich, dass die AfD einen widersprüchlichen Zensurbegriff verwendet: Während sie sich auf der einen Seite als Partei inszeniert, die für Meinungsfreiheit eintritt, tritt sie auf der anderen Seite selbst als Zensursubjekt auf – besonders dort, wo sie institutionellen Einfluss hat oder anstrebt. Der Beitrag offenbart, dass der Zensurbegriff der AfD informell und polemisch ist und dazu genutzt wird, um politische Gegner zu delegitimieren und die eigene Agenda zu stützen.