Gerson Roberto Neumann

 

    “Traurige Rückwanderung der Brasilianer nach ihrem jüngst verlassenen Vaterlande” – Ein Gedicht zum Thema Auswanderung nach Brasilien


    1 Die Brasilienauswanderung in den Gedichten

     

    Anmerkungen

    ABSTRACT

    German immigration to Brazil starts in the 19th century. In Brazil, the Literature of German Immigrants has been the subject of many studies. On the other hand, the literary production on immigration to Brazil, produced in Germany during this period, is still quite unknown. This article will discuss one specific poem in this context, a text from 1847 called Traurige Rückwanderung der Brasilianer nach ihrem jüngst verlassenen Vaterlande.

    Keywords:German immigration; Literature; Brazil; Poetry.

     

    1 Die Brasilienauswanderung in den Gedichten

     

      Vertheidigung
      Für Auswanderer Gedichte?
      Das klingt ja fast wie Spott.
      Wen Noth treibt aus dem Lande,
      Dem thut ganz Andres Noth. –
      [...]
      Der mehr wie jeder Andre
      Erwägt das Was und Wie;
      Der mehr wie jeder Andre
      Bedarf der – Poesie!Ausgewanderten)[1]

     

    Was will ein Dichter, der ein Gedicht zur Thematik der Brasilienauswanderung schreibt, eigentlich erreichen? Geht es hier nur um Gelegenheitsdichtung? Die Tatsache, dass die meisten Gedichte, Erzählungen und Romane zur Zeit der Massenauswanderung im 19. Jahrhundert sehr bekannt waren und dass diese Literatur ebenfalls eine große Nachfrage hatte, lässt den heutigen Literaturwissenschaftler den Schluss ziehen, dass es wirklich um eine sehr spezifische Literatur geht, die eng an einen sozio-historischen Kontext gebunden war: den Auswanderungskontext. Gewiss ist dieses Thema auch schreibenswert wie alle andere Themen, denn es muss nur ein guter Dichter das Thema für eins seiner Gedichten auswählen oder sich mit der Thematik auseinandersetzen und schon können berühmte Verse zur Auswanderung nach Brasilien die Welt gewinnen. Ferdinand Freiligrath,[2] Gottfried Keller,[3] Felix Dahn[4] oder Theodor Fontane[5] unter den bekanntesten oder auch Karl Heinrich Schnauffer[6] unter den weniger bekannten, der das für den deutschen Auswanderungsbereich berühmte „Auswanderer-Lied“ [7] geschrieben hat und viele andere – wie das der folgenden Analyse – könnte man hier zitieren.

    Hier interessieren spezifisch Dichter, die zwischen 1800 und 1871 Gedichte zum Thema Brasilienauswanderung oder eng damit verbundene veröffentlicht haben. Hier soll die persönliche Erfahrung des Dichters mit der Auswanderung sowie seine weiteren Kontakte zum Auswanderungskontext berücksichtigt werden. Wichtig wird dann, ob er später ausgewandert ist, ob er einen direkten Kontakt zu den Ausgewanderten hatte oder ob er in seinem Umfeld mit dem Auswanderungsereignis beschäftigt war. Es geht um eine realistische Lyrik, eine „Erlebnislyrik, die sich in der deutschen Literatur seit dem Sturm und Drang etabliert und die Dichtung zumindest des 19. Jahrhunderts dominiert hat.“ [8]

    Bei der Analyse der Gedichte werden die Form und der Inhalt bearbeitet, denn einige für ein Gedicht besondere Aspekte müssen jedoch in einem Verstext genauer in Betrachtung genommen werden: Reim, Metrik, Strophen, Versfuss usw. Diese so genannten formellen Aspekte eines Gedichtes sind wiederum in engem Zusammenhang mit der Produktion des Dichters, in diesem Fall bei der Gestaltung einer Gelegenheitsdichtung.

    Nicht viele Dichter haben sich mit der Gedichtschreibung zur Brasilienauswanderung im oben angegebenen Zeitraum beschäftigt, auch sind es nicht kanonische Dichter, deren Gedichte zur Brasilienauswanderung hier analysiert werden. Das lässt jedoch keineswegs diese fehlende Untersuchung in der deutschen Literaturgeschichte uninteressant sein. Leider, oder wie man es auch ausdrücken darf, kann man aus dieser Erkenntnis jedenfalls schon einige Schlüsse ziehen und zwar, dass wenige deutschen Dichter und Schriftsteller sich mit der Thematik der Auswanderung beschäftigt haben.

    Mit der Trivialliteraturdiskussion in der Analyse der Gedichte möchte man sich hier nicht weiter auseinandersetzen. Dazu kann man Näheres ausführlich in der Einleitung und im Kapitel 4 der Diessertation „’Brasilien ist nicht weit von hier!’ Die Thematik der deutschen Auswanderung nach Brasilien in der deutschen Literatur im 19. Jahrhundert (1800 - 1871)“, von diesem Autor lesen.[9]

    Was die methodologische Arbeitsform hinsichtlich der Analyse betrifft, wird das Gedicht allein für sich mit Rücksicht auf Autor und Kontext analysiert, denn es beinhaltet ein internes und externes Universum für sich. Meiner Ansicht nach ist es angemessen jedes Gedicht im Zusammenhang mit seinem externen Kontext (Autor, Ort, Veröffentlichungsart, Publikum usw.) und mit seinem internen Kontext (Form, Wortschatz usw.) zu untersuchen. Am Ende interessieren die herausgearbeiteten Ergebnisse, die in einen Dialog mit der durchgängigen Thematik – dem roten Faden – dieser Arbeit treten werden: Die Auswanderung nach Brasilien in der deutschen Literatur des 19. Jahrhunderts.

    Bevor man mit der praktischen Analyse beginnt, ist jedoch ein kurzer theoretischer Überblick über die poetischen Sprache und die Dichtung erforderlich.

    Mit Hilfe der poetischen Sprache kann ein Gedicht aufgebaut werden, das aus sich selbst die Aufmerksamkeit des Adressaten zu wecken versucht. Anders gesagt, durch das Gedicht will der Dichter zunächst Aufmerksamkeit bekommen, damit seine Botschaft wenigstens beachtet wird; wenn diese einmal vom Empfänger angenommen ist, muss sie ihm auch gefallen. In diesem Moment wird der wahrhafte Wert des Codes aktuell. Hier geht es um Jakobsons Funktionen der Sprache.[10]

    Roman Ingarden seinerseits erwähnt drei Elemente, die im ästhetischen Erlebnis auftreten. Als Folge bildet sich ein dynamisches Suchen und Finden beider Seiten:

      1. die emotionalen (die ästhetische Erregung, das Genießen), 2. die aktiv-schöpferische (das Bilden des ästhetischen Gegenstandes als eines qualitativen, strukturierten Ganzen), 3. die passiven, hinnehmenden (anschauliche Erfassung der schon konstituierten qualitativen Ganzen.[11]

    Immerhin muss bei der Analyse eines poetischen Textes sehr aufmerksam umgegangen werden, weil der Dichter darin geheime Informationen oder Signale verbergen kann. Er hat diese Freiheit und benutzt sie auch. Ein poetischer Text darf vom Leser nicht wie ein referentieller angenommen werden, da der Leser in ihm nicht eine reale Wahrheit[12] findet. Wie viel Wirklichkeit und Realität in den Gedichten zur Auswanderungsthematik zu lesen ist, wird die folgende Analyse herausarbeiten. Ein Gedicht darf außerdem nicht als isoliertes Kunstwerk in einer Welt für sich betrachtet werden, d.h. ein Gedicht muss in Verbindung mit seinem „Schöpfer“[13] und mit dem sozio-historischen Kontext, in dem es entstanden ist, analysiert werden. Der Dichter will mit seinem Gedicht – wie alle anderen Menschen es in ihren ausgewählten Ausdrucksformen ebenfalls beabsichtigen – in einem bestimmten Moment oder in einer bestimmten Situation immer durch intellektuelle, emotionale oder andere Mittel Gefühle mitteilen oder auf etwas aufmerksam machen. Deshalb darf ein Gedicht z.B. nicht als ein verlorener Stein auf der Straße, nicht als verloren betrachtet werden, denn so wie dieser Stein, der einen Zusammenhang mit irgendeinem anderen Gegenstand nah oder weiter von ihm entfernt hat, befindet das Gedicht sich in einem System eingefügt. Ein Gedicht ist ein Teil in einem Kosmos und muss in diesem betrachtet werden. Und nach dieser Betrachtung muss es möglich sein, seine Ausstrahlung und seine Verbindungen zu anderen Gegenständen in diesem System zu identifizieren, wonach sich die Wichtigkeit seiner Existenz bestätigt. Wäre das nicht der Fall, gäbe es keinen Sinn für das Gedicht, weiter zu existieren und in seinem eigenen Kontext gelesen zu werden. Der Stein auf der Straße wurde auch schon aus verschiedenen Sichten von verschiedenen Wesen betrachtet und bewertet und hat außerdem schon verschiedene Funktionen ausgeführt und kann zukünftig sicherlich verschiedene Analysen überstehen.[14]

    Schon im Titel eines Gedichts spielt die poetische Sprache eine besondere Rolle, weil dort oft bereits der poetische Ausdruck des Dichters beginnt. Der Titel viele Signale zum Text – laut Kayser ist die Rede dann von den Motiven, die schon im Titel angegeben werden können[15] -, wie z.B. „Wanderlust“ oder „Abschied.“ Der Titel eines Gedichtes trägt zum Beispiel oft eine informierende Funktion, insofern er Angaben enthält, die zum Verständnis der Rede im Gedicht wichtig sind. Der Titel ist ein „rede-externes Textelement,“ das eine Äußerung des Dichters ist; „die Rede im Gedicht ist dagegen die Äußerung des Sprechers.“ [16]

    Bei der Analyse eines Gedichtes muss besonders auf die Elemente der Poesie geachtet werden. Die Figuren bilden ein wichtiges Element und können in drei Gruppen geordnet werden: Wortfiguren (Metapher, Metonymie, Euphemismus, Hyperbel, Ironie, Pleonasmus), Satzfiguren (Anakoluth, Anapher, Chiasmus, Ellipse, Hyperbaton, Parallelismus) und kompositorische Figuren.[17]

    Es gibt verschiedene Möglichkeiten den Rhythmus zu definieren, aber wichtig ist die Idee von Wiederholung, Regelmäßigkeit und Einheit. Laut Jakobson bedeutet der Vers vor allem Rückkehr, ein Kommen und Gehen. Der verbale Rhythmus kann auch in der Prosa stattfinden, aber er ist in der Poesie inhärent, so wie der Musik. Selbstverständlich können heute längst nicht mehr alle Gedichte gesungen werden. Laut Lamping, ist der erste Schritt zu einem Verständnis der „lyrischen Dichtkunst“ (Lampings Ziel ist die Definition des lyrischen Gedichtes zu schaffen) der Versuch, sie unabhängig von bestimmten Versarten durch den „Gesang“ oder die „Sangbarkeit“ zu bestimmen.[18]

    Nach dem brasilianischen Literaturtheoretiker Candido, müsste der Leser bzw. Forscher beim Lesen eines Gedichtes dessen Rhythmus erleben können, denn darin liegt der Sinn, und „er ist das Element, das die verschiedenen Aspekte eines Werks, eines Künstlers und einer Epoche in einem ganzen vereinigt.“ [19]

    Eng verbunden mit dem Rhythmus, aber nicht deshalb das verantwortliche Element für ihn ist das Metrum oder die Metrik (aus dem griechischen metrike téchne). In der Antike haben Poesie, Musik und Tanz eine Einheit gebildet, diese wurde aber nicht lange erhalten, denn „Metrum und Rhythmus geraten in ein spannungsvolles Verhältnis zueinander, wobei das Metrum für die Regelhaftigkeit, der Rhythmus für die Abweichung steht.“[20] Im engeren Sinne versteht man unter Metrik „gewöhnlich das ‚Versmaß’, d.h. die geregelte Abfolge von betonten und unbetonten Silben in einer Verszeile oder einem ganzen Verstext.“  Und weiter lässt sich sagen, dass die metrische Analyse von Verstexten auf zwei Ebenen stattfindet: einmal auf der Ebene der Prosodie, Ausdruck der Regeln, wonach das sprachliche Material metrisch klassifiziert wird; und auf der der Versifikation, auf der die Regeln, die den Bau von Versen und ganzen Verstexten[21] ermöglichen, bestimmt werden.

    Wichtig bei einer Analyse von Gedichten sind nicht nur Metrik und Rhythmus, sondern auch die Sequenzen der Vokale und Konsonanten, die Alliterationen, die Assonanz und der Reim. In der Vokal- oder Silbenverteilung befindet sich das Musikalische jeder Sprache, in den Gedichten spricht man dann von der Lautung[22] oder vom Klang. Selbst beim Vergleich von Sprachen spricht man von Melodie- oder Klangunterschieden. In einem Gedicht werden diese natürlichen Unterschiede in einem künstlichen Rahmen gefasst. Das bringt dazu, dass Literatur im Allgemeinen und Gedichte im Besonderen schwer in eine andere Sprache zu übertragen sind.

    Wenn man von Gedichten spricht, muss man natürlich auch zum Reim kommen, denn er ist ein Merkmal für einen Verstext, obwohl das ursprünglich kein Charakteristikum der Dichtkunst war und es immer Gedichte ohne Reim gab. Er gehört jedoch nicht wesentlich zum Vers. Auch in der Prosa können Reime auftauchen. Je nach der Stellung spricht man von Endreimen oder Binnenreimen und besonders wichtig für die Poesie ist die Assonanz/Konsonanz, weil laut Chiappini „die Reime mit Diskretion benutzt und subtilere Reime bildet.“[23] Diese Klassifikation – Assonanz/Konsonanz – scheint jedoch besonders wichtig für die romanischen Sprachen zu sein, denn laut Kayser sind die Versuche, die in der älteren französischen, spanischen und portugiesischen Literatur häufig angewendeten Reime in den germanischen Sprachen heimisch zu machen, nicht gelungen.[24]

    Was weiter die Reime betrifft, muss man auf die Trennung zwischen armen und reichen Reimen, weiblichen und männlichen Endungen, zwischen Assonanz und Konsonanz, Endreim und Stabreim achten. Je nach Stellung kann man von folgenden Reimen sprechen: 1. Reimpaaren (aa bb cc dd ...); 2. Kreuzreim (a b a b); 3. verschränktem Reim (a b b a); 4. Schweifreim (a a b c c b). [25]

    Schließlich, in Übereinstimmung mit Chiappini ist wichtig, zu betonen, dass bei der Analyse von Gedichten darauf geachtet werden muss, wie wichtig beim Lesen eines Gedichtes folgende Fragestellung ist: wohin der/die DichterIn uns durch die Metapher führen will, welche Funktion sie in einem bestimmten Kontext hat, welche Intention hinter der auktorialen Tätigkeit versteckt sind sowie welche Ergebnisse der/die DichterIn erreichen will. Nur so können wir die rein formale Analyse überwinden und durch den Zusammenhag mit den anderen Ebenen (wie dem Rhythmus z.B.) individuelle und soziale Bedeutungen in den Texte finden. [26]

    fBei der Analyse der Gedichte zur Brasilienauswanderung ist die Frage nach der zeitgenössischen Leser der Gedichte besonders wichtig, denn er kann als gezielter Leser diese Produktion beurteilen. Selbstverständlich hängt das wieder eng mit dem Ziel des Dichters bzw. der Dichterin zusammen. Was bringt eigentlich einen Dichter dazu, über die Thematik der Auswanderung zu schreiben? Und was haben die Auswanderer von solchen Gedichten für ihre Situation benutzt? Sind diese Gedichte eigentlich an die Auswanderer gerichtet? Julius Eberwein spricht diesen Kontext in seinem Buch Stoßseufzer. Nach den Papieren eines Ausgewanderten an und ermöglicht dem heutigen Leser eine interessante Lektüre zu diesem Phänomen des 19. Jahrhunderts in Gedichtsform. Eberwein selbst verteidigt seinen Entschluss, Gedichte für die Auswanderer sowie über die Auswanderung als Phänomen zu schreiben, in dem er meines Erachtens seine Gedichte schon mit einer Art von Ironie einprägt. Denn was soll ein in Not stehender Auswanderer mit einem Gedicht, wenn er an viel Wichtigeres denken muss? Er aber braucht Poesie mehr als jeder Andere,  sagt er weiter.[27]

    Neben dem unbekannten Julius Eberwein hat auch der kanonische Johann Wolfgang von Goethe sich mit der Auswanderung seiner Zeitgenossen beschäftigt. Selbstverständlich ist eine Untersuchung zu Goethes Beziehung zum Auswanderungskontext eine Forschung für sich. Etwas spezifischer ist jedoch Goethes Beziehung zu Brasilien.

    Das folgende Gedicht wird mit Hinblick auf Antônio Cândidos[28] Analysevorschläge betrachtet. In einem kleinen und sehr interessanten Buch - Na sala de aula: caderno de análise literária – schreibt er über Analysemöglichkeiten verschiedener Gedichte nach Form und Inhalt, die der Literaturwissenschaftler beim Analysieren eines Gedichtes beachten sollte. Der brasilianische Literaturtheoretiker weist in seinen Analysen literarischer Werke immer darauf hin, dass ein Gedicht, eine Erzählung oder ein Roman nach den unterschiedlichsten Sichtweisen – soziologisch, anthropologisch, philosophisch usw. – untersucht werden muss. Außerdem werde ich mich hier nach Wolfgang Kaysers Analysen der Literatur orientieren. Selbstverständlich werden die Gedichte hier nach den Grundbegriffen des Verses der germanischen Sprachen im Unterschied zum romanischen Vers analysiert.[29]

     

    1.

    Was den Inhalt betrifft ist dieses Gedicht radikal und klar als Gegenpropaganda zur Auswanderung nach Brasilien geschrieben worden.

    Es scheint sehr verlässlich, was die historischen Daten angeht, weil darin konkrete Daten erwähnt werden, wie zum Beispiel das Datum der Reise oder der Name des Hafens, Bremen. Einige Informationen stimmen jedoch nicht, und das kann durch den Inhalt, wodurch eigentlich eine treue Wahrheit dem Leser erreichen soll – allerdings eine einseitige Wahrheit –, wiederum bewiesen werden. Daraus kann man schließen, dass es auch hier um ein gezieltes Gedicht für eine bestimmte Gelegenheit geht.

    Das Gedicht soll in den Zwanzigen Jahren des 19. Jahrhunderts geschrieben worden sein, also in der Zeit der ersten Auswanderungswelle. Zu dieser Zeit, in den Zwanzigen Jahren, bekommen Brasilein und die USA noch die gleiche Zahl deutscher Auswanderer: ungefähr 20.000 ziehen zu jedem Land.

    Über Bremen wandert auch der deutsche Erzähler dieses Gedichtes – der die Rede im Gedicht übernimmt – mit Frau und 10 Kindern aus. Er erzählt dem Leser seine abenteuerlich traurige Geschichte warnend in Form eines Monologs. Der 16. März ist der Abreisetag (das Jahr wird leider nicht angegeben). Für die Reise muss jeder Auswanderer 120 Gulden zahlen. Diese Information stimmt jedoch nicht mit den offiziellen Verträgen, die die brasilianische Regierung auch in den Zwanziger Jahren mit den Auswanderern abgeschlossen hat, wonach alle deutsche Familien, die sich entschließen nach Brasilien zu kommen, „freie See- und Ueberlandreise in Brasilien; ein freies Stück Land mit vorläufigem Haus [...]“ erhalten.[30] Selbstverständlich wurden nicht immer alle Abmachungen gehalten, aber immerhin größtenteils. Komplizierter wird die Lage der Einwanderung in Brasilien erst dann, wenn die Großgrundbesitzer Einwanderer für ihre Plantagen benötigen werden, denn dann beginnen die schon bekannten Problemen mit den Halbpachtverträgen.

    Nach dem Inhalt ist schon in Bremen die Lage der Auswanderer nicht einfach, denn wer nicht das nötige Geld hat, wird als Sklave betrachtet. Dieses Problem bezieht sich aber auf die allgemeine Auswanderung, denn in Bremen befinden sich auch die USA-Auswanderer. Selbstverständlich herrscht große Armut unter den Auswanderern, denn das ist ja die Hauptursache, warum sie ihre Heimat verlassen.

    Nach der schweren Überfahrt befinden sie sich also im neuen Land, das eigentlich etwas Freude bringen sollte, im Gedicht ist aber alles nur Enttäuschung, denn dort werden sie in die Stadt geführt, wo sie zum Verkauf ausgestellt werden. Dann soll es heißen, es sei ein Sklavenschiff angekommen und die Menschen im Lande sollen kommen und die Sklaven kaufen.[31] In diesem Moment müssen wir ein wichtiges Zitat aus dem Buch Die Auswanderer nach Brasilien oder die Hütte am Gigitonhonha, von Amalia Schoppe erwähnen,[32] denn der Autor des Gedichtes macht anscheinend die gleichen Fehler, die auch die norddeutsche Autorin gemacht hat. Es bezieht sich auf eine vermutlich praktizierte weiße Sklaverei in Brasilien, worüber man in der brasilianischen Geschichte keine historische Information hat. Außerdem, wie sie im Gedicht – oder auch bei Amalia Schoppe – dargestellt wird, hat sie wirklich nie stattgefunden. Laut Cortez kann ein weißer christlicher Europäer nach dem brasilianischen Gesetz im 19. Jahrhundert nicht zum Sklaven gemacht werden und noch weniger als Sklave zusammen mit den schwarzen Afrikaner arbeiten müssen. [33]Was aber von Friedrich Kapp zu den nordamerikanischen Einwanderungsverhältnissen in seinem Buch berichtet wird, passt perfekt zu diesem Gedicht, also zum nordamerikanischen Auswanderungskontext:

      Ein und andere hiesige Kaufherren empfangen die Listen von den Frachten und den Accord, welchen die Emigranten in Holland eigenhändig unterschrieben, benebst den übrigen Rechnungen von der Rheinfahrt und dem Vorschuß der Neuhänder für Erfrischungen, welche sie auf dem Schiffe auf Rechnung von ihnen empfangen. [...] Darauf wird in den Zeitungen kund gethan, dass so und so viel deutsche Leute für ihre Fracht zu verkaufen sind. [...] Das Schiff ist der Markt. Die Käufer suchen sich welche aus, accordieren mit ihnen auf Jahre und Tage, führen sie zum Kaufherrn, bezahlen die Fracht und übrigen Schulden und lassen sie sich, vor der Obrigkeit durch ein schriftlich Instrument, auf die bestimmte Zeit als ihr Eigenthum verbinden. Die jungen ledigen Leute beyderley Geschlechts gehen am ersten ab, [...] alte verehelichte Leute, Witwen oder Gebrechliche will Niemand kaufen [...] wenn sie aber gesunde Kinder haben, so wird der Alten ihre Fahrt zu der Kinder ihrer geschlagen, und die Kinder müssen desto länger dienen, werden desto theurer verkauft, und weit und breit voneinander [...] zerstreut. [34]

    Einmal im Zielland fällt es dem Auswanderer (dem Erzähler im Gedicht) schwer und schon lobt er sein Vaterland, wo er kein Hunger gelitten haben soll, Frucht und Genuss hatte er auch während des ganzen Jahres. Ironisch kann man dann fragen: Warum ist er dann ausgewandert? Bewusst ist aber, dass die Lage in den deutschen Ländern in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sehr ärmlich war, besonders auf dem Land und unter den Handwerkern. Die Verbindung zum Heimatland – also Heimweh – ist selbstverständlich ein normales Ereignis und in fast jedem Einwanderungskontext zu spüren, selten ist jedoch die Frustration so wie in diesem Gedicht, besonders wie die in den zwei letzten Versen. In Brasilien werden die deutschen Einwanderer auch das verlassene Vaterland in ihren lyrischen Versuchen besingen und Julius Eberwein bringt auch diesen Topos in seinen Gedichten an, wie man es im Gedicht „Vaterlandsliebe“ beispielhaft sehen kann:

      Es ist doch ein gar wunderbar Ding Mit unsrer Liebe zum Vaterland! Erst konnt’ ich’s nicht erwarten, bis ich ging, Und dann hält mich ein geheimes Band.[35]

    Dem Inhalt zufolge ist das Gedicht Traurige Rückwanderung der Brasilianer nach ihrem jüngst verlassenen Vaterlande sehr interessant, weil es eine scharfe Kritik an die deutsche Auswanderung nach Brasilien ist, in der sehr früh – es geht hier um den Beginn der Brasilienauswanderung – viele problematischen Aspekte der allgemeinen Auswanderung angesprochen werden, die lange in den fiktionalen und nicht-fiktionalen Texten zur Auswanderung nach Brasilien wiederholt vorkommen werden.

    Wenn man den Titel etwas näher betrachtet, wird man sehen, dass das Ganze einigermaßen paradox ist. Erstens, es findet keine Rückwanderung statt, wenn man die inhaltliche Makrostruktur des Gedichtes als kohärent mit dem Titel betrachten darf. Zweitens, er (der Erzähler im Gedicht) nennt sich schon „der Brasilianer,“ obwohl er nur eine kurze Zeit dort verbracht haben soll. Dieser Aspekt ist deshalb interessant, weil die meisten deutschen Einwanderer und deren Nachkommen sich sehr lange (mehr als hundert Jahre) in Brasilien als „Deutsche“ benannt haben und oft noch nennen. Meiner Meinung nach will der Dichter hier klar Aufmerksamkeit auf die Auswanderung nach Brasilien lenken und deshalb wirkt der Begriff „Brasilien“ im Titel sehr attraktiv (obwohl die Thematik gegen die Brasilienauswanderung sein wird).

    2.

    Eine Analyse der Form dieses Gedichtes ist gar nicht einfach, weil der Dichter sich anscheinend sehr auf die inhaltlichen Informationen konzentriert hat, so dass das Gedicht nach seiner Form nicht so interessant klingt. In den Zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts deutet alles auf eine wachsende Auswanderung. Selbstverständlich erscheinen die Unterstützer und die Gegner der überseeischen Auswanderung so vieler Deutschen. So entstehen viele Gelegenheitstexte, darunter literarische wie das Gedicht Traurige Rückwanderung der Brasilianer nach ihrem jüngst verlassenen Vaterlande, in dem es eindeutig um die Problematik der zeitgenössischen Auswanderung nach Brasilien.

    Der Rhythmus im Gedicht wird oft durch unpassende Wörter unterbrochen, das wiederum für den ganzen Vers in der Strophe nachteilig ist. Ein gutes Beispiel dieser schlechten Wortauswahl und ihre Einfügung in den Vers ist folgendes: „Doch wünschen wir euch die Reise nicht.“[36]Die Wörter „wünschen“ und „euch“ klingen nicht besonders angepasst im Vers und brechen den gewünschten harmonischen Klang im Vers. Ob der Dichter diese durch andere Wörter ersetzen hätte können, ist schwer zu sagen. Der Vers ist ohne eine besondere Aufmerksamkeit auf die Wortsetzung aufgebaut. Es werden Versen gebildet, die sehr der alltäglichen Sprachform ähneln und so entfernt von einer feinen Dichtungsart. Das Gedicht muss auch nicht melodisch und rhythmisch perfekt klingen, es hat natürlich seine eigene Eigenschaft. Es ist also ein Gedicht, das auf der momentanen sozialhistorischen Lage bezogen ist und den Auswanderungswilligen erreichen will, deshalb ist der Schwerpunkt die Botschaft.

    Der etwas unsaubere oder stolpernde Rhythmus kann aber auch als ein Rekurs des Dichters interpretiert werden, denn damit kann er zeigen wollen, dass die Auswanderung nach Brasilien nicht ein selbstverständliches Ereignis ist, sondern dass viele Steine im Weg liegen, die man nicht ausweichen kann.

    Das Gedicht besteht aus zwölf Strophen jeweils mit acht Versen. Der Dichter versucht, vierhebige Verse aufzubauen, aber wie schon gesagt, nicht immer ist er in seinem dichterischen Versuch erfolgreich. Die vierhebigen Verse sind wechselweise mit betonter und unbetonter Endsilbe aufgebaut. Dazwischen findet man dann auch einige fünfhebigen Verse, wie folgenden: „Aber welche Buße sie dort fanden.“[37] Was den Versfuss betrifft, benutzt der Autor normalerweise den Trochäus oder den Jambus. Aber es gibt auch einige Verse, wo es relativ schwer festzustellen ist, welche die betonten Silben sein könnten, wie im folgenden Beispiel: „Und schenk uns das ewige Leben.“[38] In diesem Fall erschwert das Wort „ewige“ das Fließen des Rhythmus. Ein dreisilbiges Wort – „ewige“ - auf dieser Stelle passt eigentlich nicht zum rhythmischen Fluss im Vers. So wie hier entstehen viele „Unsauberkeiten“ in diesem Gedicht. Vom Inhalt ausgehend ist dieses Gedicht sehr interessant und wichtig. Wie im oberen Beispiel kann man hier denken, dass der Dichter die holprigen Wege einer thematisiert. Die scho nangesprochene Unsauberkeit, die besonders durch den Wortschatz eine Art Spannung ins Gedicht mit hineinbringt, macht das Gedicht für diese Untersuchung sehr interessant.

    Sehr passend zu dieser Problematik der Unregelmäßigkeit schreibt Kayser:

      Man darf in diesen Versen [Volksliedverse] ein lebendiges Erbe der germanischen Metrik sehen. Freilich sind die „Unregelmäßigkeiten“ der Füllung nicht mehr so groß wie in germanischer Zeit; meist beschränken sie sich auf Wechsel zwischen ein- und zweisilbiger Senkung. Bezeichnenderweise sind solche Verse mit freier Füllung besonders in der volkstümlichen Literatur zu finden.[39]

    Kaysers Worte passen sehr gut zu diesem Gedicht, weil es um ein Gelegenheitsgedicht geht, d. h. das Gedicht wurde in engem Zusammenhang mit dem Auswanderungskontext geschrieben und bleibt so ein Gedicht, das nur in die Auswanderungsliteratur eingeordnet werden kann.

    Was die Reime betrifft, bestehen die Verse meistens aus armen Reimen, wie im folgenden Beispiel:

      Lass uns hier doch nicht verderben,
      Hilf uns hier aus dieser Noth,
      Und schenk uns das ewige Leben,
      Gieb uns und den Kinder Brod.[40]

    In diesem Beispiel benutzt der Autor einen Kreuzreim, der jedoch nicht so genau aufgebaut wurde, weil „verderben“ ein offenes E (mit offenem Akzent) bekommt (verdérben), während „Leben“ mit einem geschlossenen E (mit geschlossenem Akzent) ausgesprochen wird. Die beiden anderen Reime passen zueinander.

    Dass es dem Autor mehr um den Inhalt geht, beweist die Strophe drei, wo er sogar Zahlen einfügt, die den Rhythmus einigermaßen durcheinander bringen. Für das inhaltliche Verständnis des Gedichtes sind diese Daten immerhin von Wichtigkeit, denn es wird eine zeitliche (für ein solches Unternehmen immer eine wichtige Information) Angabe sowie einen Preis angegeben.

      Den 16. März um halb zwölf,
      Ward’ die Reis uns angesagt,
      Dem’s an 120 Gulden fehlte,[41]

    Im ersten Vers, wo das Datum angegeben wird, erarbeitet der Dichter die Hebungen nach der Struktur in der Strophe. Das ist jedoch nicht der Fall im dritten, wo sich zehn Hebungen feststellen lassen.

    Die Anwendung von so genauen Referenzen in den Versen – Datum, Zahlen – lassen beweisen, dass der Dichter sich um die Information seiner Leserschaft kümmert. Der Ich-Erzähler im Gedicht benutzt alle möglichen Argumente, um den damaligen Auswanderer erstens gut über die reale Situation der Auswanderung zu informieren und zweitens um ihn durch seine Kenntnisse und schlechte Erfahrung im südamerikanischen Land den Auswanderern von ihrem Entschluss abzuraten.

    3.

    Obwohl das Gedicht der Form nach und rhythmisch nicht so gut klingt, darf es die Leser erfolgreich erreicht haben, denn es zieht die nötige Aufmerksamkeit auf sich, indem es alle Achtung auf das Wort „Brasilianer“ zieht. Dieser Begriff war in den Zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts, als die Ferne viele Menschen angezogen hat, sehr in Mode und war begehrt. Die Sprache ist einfach und informativ, und so erreicht der Dichter sicherlich sein Ziel: scharfe Kritik an die Auswanderung nach Brasilien ausüben. Durch die Art und Weise wie sie geschafft wurde hat der Autor bestimmt einigen – den ängstlichsten – Auswanderungslustigen vom Entschluss der Auswanderung nach Brasilien abgehalten. Es geht hauptsächlich um eine Propaganda gegen die Brasilienauswanderung, so dass es keinen Vergleich mit anderen Zielländern gibt.

    Im historischen Fehler, der im Gedicht vorkommt und zwar, dass die deutsche Einwanderung in Brasilien so gelaufen sein soll wie es in Friedrich Kapps Buch über die deutsche Einwanderung in den USA beschrieben wird – die Einwanderer werden kurz nach der Ankunft des Schiffes im Ziellande öffentlich verkauft –, gibt es immerhin eine Vergleichsituation, die sich bei einer etwas vertieften Analyse herauskristallisieren lässt. Offen bleibt jedoch, ob der Dichter den Fehler bewusst macht. Wenn er gut über die deutsche Auswanderung nach Brasilien informiert wäre, würde ein solcher Fehler nicht geschehen. Wäre der Dichter wirklich ein Auswanderer, der zurück kommt, dann müsste es ihm noch klarer sein. Wichtig ist jedenfalls, dass der Dichter in diesem Gedicht inhaltliche Fehler macht, die bestimmt Folgen für die Auswanderung nach Brasilien gebracht haben.

    Leider konnte das Gedicht nicht in seiner Originalverfassung gesehen werden (vielleicht gibt es das gar nicht mehr), aber es wurde bestimmt in Zeitschriften, Zeitungen oder als Flugblatt veröffentlicht und hat dadurch auch den gezielten Leser erreicht. Der Autor wird nicht angegeben, nach bibliographischen Recherchen konnte man aber auf einen Namen aus der Region kommen. Ebenfalls im Landeshauptarchiv Koblenz wurden während der Forschung dort weitere Texte über die Brasilienauswanderung gefunden. Einer davon ist dem Gedicht dem Inhalt nach sehr ähnlich, denn es geht auch um eine scharfe Kritik an die brasilianische Einwanderungsstruktur. Alle Informationen über Brasilien und die Auswanderung dorthin sind übertrieben negativ, so dass man dem Text und dem Autor besonders deshalb nicht glauben kann. Dieser Text – „Einige Nachrichten über Brasilien, zur Belehrung für die Auswanderungslustigen, besonders in der Eifel“ – wird am Ende datiert und unterschrieben: „geschrieben in der Eifel, im März 1828.“[42]

    Die Unterschrift verpflichtet den Forscher jedoch eine weitere Untersuchung, denn es werden in Druckschrift die Initialen G. B. angegeben, und nach dem B. hat jemand (vielleicht der Autor selbst) handschriftlich den Namen ergänzt, so dass man einigermaßen den Namen vermuten kann. So ist man auf den Namen G. Bärsch als Autor des Prosatextes gekommen. Auf der Suche nach weiteren Texten dieses Autors konnte ich andere Veröffentlichungen in der gleichen Region, wo auch der oben zitierte Text gedruckt wurde: „Trier, gedruckt bei Hetzrodt, Sohn, No. 59.“ [43] Als Beispiel kann man hier folgenden Text zitieren, der sogar mit den gleichen Wörtern des erwähnten Textes beginnt: BÄRSCH, Georg. Einige Nachrichten über 1. den Steinring bei Otzenhausen im Landkreise Trier, 2. Castell im Kreise Saarburg ... 3. Monclair im Kreise Merzig. Tier: Hetzrodt, 1839. Meiner Meinung nach kann man hochprozentig vermuten, dass der Autor des Textes Einige Nachrichten über Brasilien [...] Georg Bärsch ist und dass er auch der Autor des oben analysierten Gedichtes ist. Er gehörte zum Königlichen Preußischen Geheimen Regierungsrate und war Rittmeister und Hanseatischer Major; Mitglied der Königlichen Deutschen Gesellschaft zu Königsberg, der Kurländischen Gesellschaft für Literatur und Kunst in Mitau, des Vereins der Altertumsfreunde im Rheinland in Bonn. Trotz dieser wichtigen Hinweise zum möglichen Autor des Gedichtes möchte ich das Gedicht in der Gruppe der anonymen Autoren lassen, weil es so gefunden und sogar veröffentlicht wurde.

     

     

     

    Anmerkungen

    [1] EBERWEIN, Julius. Der Auswanderer. Stoßseufzer beim Abschied vom Vaterlande (Ein Noth- und Hülfsbüchlein für Auswanderer und deren Freunde; nach den Papieren eines Ausgewanderten). Rudolstadt: Druck und Verlag von G. Froebel, 1847, S. 2..

    [2] FREILIGRATH, F. Werke. Erster Teil. Hg. von Julius Schwering. Hildesheim – New York: Georg Olms Verlag, 1974. Freiligrath beschäftigt sich in einigen Gedichten mit der Thematik der Auswanderung, besonders zu erwähnen sind die Gedichte „Die Auswanderer“ und „Der Tod des Führers.“ Freiligraths Gedicht „Die Auswanderer“ ist auch in der literarischen Beilage de Allgemeine Auswanderungszeitung (AAZ) zu lesen: Der Pilot. Unterhaltendes Wochenblatt zur Allgemeinen Auswanderungs-Zeitung, 1855, Nr. 22, S. 87. Im Folgenden wird Weiteres über diese Beilage der AAZ. gesagt.1.

    [3] In Gottfried Kellers (1819 – 1890) Texten kommt die Thematik der Auswanderung immer wieder vor. Seine Lebenszeit befasst genau  den Zeitraum des Anfangs der Auswanderung, der Massenauswanderung und der Minderung der Auswanderungsbewegung, in seinem Fall gilt das Beispiel der schweizerischen Auswanderung. Siehe KELLER, G. Sämtliche Werke. Historisch-Kritische Ausgabe. Hg. Von Walter Morgenthaler, Zürich: Stroemfeld Verlag, 2003.

    [4] Felix Dahn macht sich eher Sorgen mit der Erhaltung der Muttersprache im neuen Kontext. Das kann in seinen Gedichten, die die Auswanderungsthematik mit in den Text hineinbringen: „Sie [die deutsche Sprache] geht mit uns in Zug der Heere, sie geht mit uns ins Wanderzelt/ Und bauet jenseits blauer Meere uns eine neue deutsche Welt“ (S. 359 – 401). Siehe DAHN, F. Gesammelte Werke. Erzählende und Poetische Schriften. 2. Serie: Band 5, Leipzig: Breitkopf; Berlin: Verlagsanstalt für Literatur und Kunst, o. J. In der Zeitschrift Deutsche Schule im Auslande. Organ des Vereins deutscher Lehrer im Auslande findet man ein sehr interessantes Gedicht Felix Dahns bezüglich der deutschen Auswanderung: „Die Deutschen im Auslande.“ Im Gedicht wird u. a. betont, der Deutsche in der Ferne soll nie die Sprache verlieren. Der Brite beispielsweise trägt die Sprache Shakespeares und der Dichter lobt ihn darum und fragt: „Und Schiller soll vergessen sein?“ Siehe Deutsche Schule im Auslande. März 1904, III. Jg., Nr. 3, S. 134.

    [5] Auch Theodor Fontane beschäftigt sich mit der Thematik der Auswanderung, aber auch mit der in die Vereinigten Staaten. Im Nachwort zum Roman Quitt schreibt Hans-Heinrich Reuter: „Was als ebenso realistische wie kritische Milieustudie und als spannende Kriminalgeschichte aus einem Riesengebirgsdorf anhebt, schlägt scheinbar abrupt um zur humanistischen Utopie in der Nachfolge von Goethes ‚Wanderjahre’ und zum sozialreformerischen, mit bedeutsamen revolutionären Einschlägen ausgestatteten Lehrstück aus einer Pädagogischen Provinz im Indianerterritorium Amerikas.“ Siehe FONTANE, T. Quitt. Mit einem Nachwort von Hans-Heinrich Reuter. Berlin: Verlag der Nation, 1973, im Nachwort.    .

    [6] SCHNAUFFER, K. H. Neue Lieder für das teutsche Volk. Rheinfelder: Druck und Verlag von F. Hollinger, 1848. Auf der Seite 25 findet man das bekannte Gedicht „Auswanderer-Lied“. Das Buch enthält ein Vorwort vom später berühmten Friedrich Hecker. „Friedrich Hecker war einer der Führer der [48er] Revolutionäre in Baden und flüchtete im Jahre 1848 nach der Vereinigten Staaten von Amerika.“ Weiteres dazu siehe: SMOLKA, G. „Die Geschichte von Friedrich dem Terroristen.“ In: FREEDEN, H. v.; SMOLKA, G. 1937, S. 140 – 141, hier S. 140.

    [7] Während der Auswanderungszeit gab es mehrere veröffentlichte „Auswanderungslieder.“ Außer Schnauffers bekanntem Lied kann man eins in der AAZ Nr. 82, 1849 auf Seite 327 finden. Eigentlich stützen sich aber alle Auswanderungslieder auf ein Gedicht und zwar auf Schubarts „Kaplied“: „Auf, auf, ihr Brüder und seid stark! Der Abschiedstag ist da.“ Wirklich bekannt wird aber Sauters Lied, das in allen Regionen Deutschlands nachgesungen wird. Siehe TRÄGER, P. „Die Deutschen in der Dobrudscha. Zugleich ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Wanderrungen in Osteuropa.“ In: GOETZ, W.; ZIEHEN, J. Schriften des Deutschen Auslands-Instituts Stuttgart. Stuttgart: Ausland und Heimat Verlags-Aktiengesellschaft, 1922, S. 182ff. (Kulturhistorische Reihe, Bd. 6); MÜNDEL, C. Elsässische Volkslieder. Straßburg: Verlag von Karl J. Trübner, 1884, 218ff.  

    [8] LAMPING, Dieter. Das lyrische Gedicht. Definitionen zu Theorie und Geschichte der Gattung. Göttingen: Vandenhoeck & Rupprecht, 1989, S. 122.

    [9] NEUMANN, Gerson R. Brasilien ist nicht weit von hier! Die Thematik der deutschen Auswanderung nach Brasilien in der deutschen Literatur im 19. Jahrhundert (1800 - 1871). Frankfurt am Main/ Berlin: Peter Lang, 2005.

    [10] Siehe JAKOBSON, R. Poetik. Aufsätze zur Linguistik und Poetik. Hg. von Wolfgang Raible, München: Nymphenburger Verlagshandlung, 1974.

    [11] INGARDEN, Roman. Erlebnis, Kunstwerk und Wert. Tübingen: Niemeyer, 1969, S. 6.

    [12] Zum Begriff Wahrheit siehe die Einleitung dieser Arbeit sowie HAMBURGER, K. Wahrheit und ästhetische Wahrheit. 1979, S. 13ff..

    [13] Nach KAYSER, W. Wolfgang, “Das Problem der literarischen Gattungen.” In: GROSSEGESSE, Orlando; KOLLER, Erwin (Hg.). Literaturtheorie am Ende?: 50 Jahre Wolfgang Kaysers “Sprachliche Kunstwerk”. Tübingen; Basel: Franke, 2001, S. 177 – 191, hier S. 182 ff.; Vgl. INGARDEN, R. 1969.

    [14] Zur Existenz eines literarischen Werks muss man auf Roman Ingardens wichtiges Buch zurückgreifen..

    [15] KAYSER, W. 1948, S. 61ff..

    [16] Siehe LAMPING, D. 1989, S. 94..

    [17] Zu diesem Thema siehe CHIAPPINI, L. M. L. Probetext für den Reader „Einführung in die Methode der Lateinamerikanistik“ (Work in progress), 2004, S. 34ff. Auch Gerard Genettes Les Figures du Discours in dem er die Typologie der Figuren in sieben teilt: Sinnfiguren, expressive Figuren, Diktionsfiguren, Baufiguren, Lokutionsfiguren, Stilfiguren und Denkfiguren, muss hier angesprochen werden..

    [18] LAMPING, D. 1989, S. 56.

    [19] CANDIDO, A. Na sala de aula: caderno de análise literária. São Paulo: Ática, 1985 (Série fundamentos), zitiert nach CHIAPPINI, L. 2004, S. 46.

    [20] Siehe METZLER-LEXIKON LITERATUR- UND KULTURTHEORIE: ANSÄTZE – PERSONEN – GRUNDBEGRIFFE. Hg. von Ansgar Nünning. 2. überarb. und erw. Aufl. Stuttgart; Weimar: Metzler, 2001, S. 437 – 439, hier S. 438.

    [21] Idem, 2001, S. 438. Die Hervorhebungen sind vom Verfasser. Laut Kayser versteht man unter METRUM „das Schema eines Gedichtes, das unabhängig von der sprachlichen Erfüllung existiert.“ Siehe KAYSER, W. 1948, S. 98.

    [22] KAYSER, W. 1948, S. 102ff. benutzt den Begriff „Lautung.“

    [23] CHIAPPINI, L. 2004, S. 53.

    [24] KAYSER, W. 1948, S. 96 – 98..

    [25] Siehe KAYSER, W. 1948; CHIAPPINI, L. 2004.

    [26] Siehe CHIAPPINI, L. 2004, S. 44. Was die Analyse der folgenden Gedichten betrifft, werden besonders die Methoden dreier Literaturwissenschaftler in Anspruch genommen: CHIAPPINI, L. 2004; KAYSER, W. 1948 und CANDIDO, A.

    [27] Siehe oben als Motto zitierten Ausschnitt und EBERWEIN, J. 1847, S. 2.

    [28] Siehe das oben zitierte Buch von Antônio Cândido.

    [29] Hier handelt es sich in diesem Moment um ein sehr unbekanntes Gedicht, das  mir während meiner Forschungszeit in Brasilien sowie in Deutschland noch nie zu Vorschein gekommen ist. Das Gedicht wurde in der Bibliothek des Koblenzer Landeshauptarchivs während der bibliographischen Forschung dieser Untersuchung gefunden. Es werden keinen Autor, kein Jahr und keine weiteren Referenzen angegeben. Das Gedicht wurde, zusammen mit anderen älteren Texten, in Buchform, in Druckschrift gefunden. 

    [30] SCHRÖDER, Ferdinand. Die deutsche Einwanderung nach Südbrasilien bis zum Jahre 1859. Berlin: Verlag Ev. Hauptverein für Deutsche Ansiedler und Auswanderer, 1930, S. 32; ALDINGER, P. Deutsche Mitarbeit in Brasilien. Curitiba: Theodoro Locher, 1924, S. 48.

    [31] Siehe Strophe 9.

    [32] SCHOPPE, Amalia. Die Auswanderer nach Brasilien oder die Hütte am Gigitonhonha. Berlin: Verlag der Buchhandlung von C. F. Amelang, 1828. Die erwähnte Erzählung wurde zusammen mit diesem Gedicht in der schon vorher angesprochenen Dissertation untersucht.

    [33] CORTEZ, Maria Teresa. „Entre o Bem e o Mal – A representação do Brasil na novela Die Auswanderer na Brasilien oder die Hütte am Gigitonhonha de Amalie Schoppe, in: GROSSEGESSE, Orlando; KOLLER, Erwin; MALHEIRO DA SILVA, Armando und MATOS, Mário (Org.) Portugal – Alemanha – Brasil. 6. Deutsch-Portugiesisches Arbeitsgespräch. Col. Hespérides, Literatura 14, Bd. 2, Minho: Centro de Estudos Humanísticos, 2003, S. 114. 

    [34] KAPP, Friedrich. Geschichte der deutschen Einwanderung in Amerika. Bd. 1, Leipzig: Verlag von Quandt & Händel, 1868, S. 292f.

    [35] EBERWEIN, J. 1847, S. 61..

    [36] Siehe Strophe 4, Vers 4.

    [37] Siehe Strophe 1, Vers 7.

    [38] Siehe Strophe 1, Vers 7.

    [39] KAYSER, W. 1948, S. 89.

    [40] Siehe Strophe 2, Verse 4 – 8.

    [41] Siehe Strophe 3, Verse 1 – 3.

    [42] BÄRSCH, G. Einige Nachrichten über Brasilien, zur Belehrung für die Auswanderungslustigen, besonders in der Eifel. Trier: Hetzrodt, 1828, S. 16.

    [43] BÄRSCH, G. 1828, S. 16.

     

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